Heidi Popovic ist begeisterte Beobachterin. Mit diebischer Freude und nahezu betulicher Akribie macht sich die Künstlerin an jene Sujets heran, die ihr die moderne Welt vor die Füße bzw. in den Computer wirft. Eine Welt, deren Exponenten und Exponentinnen scheinbar freundlich sind. Eine Welt, in der die Fernsehmoderatorinnen lächelnd und in verständnisvollem Plauderton ihren Gast, ihre neue beste Dreiminutenfreundin - demütigen und sezieren. Die als Freundin getarnte Domina. Freundinnen-Haft. 

In harmloser Atmosphäre wird Verborgenes geradezu freimütig dargelegt, ausgestellt, betrachtet, betatscht. Die nette Form, die irreführende Verpackung, die bis zur Unkenntlichkeit gecoachte Gemeinheit beschäftigt Popovic. Freundlichkeit ist nicht mehr Ausdruck des Wohlwollens, sondern perfide Falle. 

In diesem Sinne ist Heidi Popovic lächelnde Fallenstellerin und nützt die Wahrnehmungsverzögerung des Publikums, um auf das Verborgene hinter dem Offensichtlichen aufmerksam zu machen. So entsteht zum Beispiel eine prächtig leuchtende Biedermeiertapete aus einer Komposition von Gasmasken, Analplugs mit Vibrationsfunktion und Kalaschnikows. 

Menschen neigen gemeinhin zu der Haltung "Gurke ja, Dildo nein!" Popovic weigert sich strikt, dass Gegenstände, ob Dildo oder Gartenzwerg, aufgrund ihrer Form diskriminiert werden und gewährt ihnen so in seinen Bildern ausnahmslos Asyl. 

Ausgewogene Formen, Symmetrie im Bildaufbau, ansprechende Farben, auf den tausendstel Millimeter präzise Vektorgrafiken, so mögen wir uns in Sicherheit wiegen, dass dies eine angenehme Begegnung ist und verweilen vor dem Werk. Wie bei einem Vexierbild entsteht nun auf den zweiten Blick ein anderes Bild: sorgsam angeordnete Laborratten knabbern nun doch das süße Babygesicht an, die rote Lochzange nähert sich dem rosa Stöckelschuh, die Gerbera steckt in einem Kondom, der lächelnde Partytiger besteht aus dem Antidepressivum Seroxat. 

Doch wäre es nicht im Sinne der Künstlerin, in jedem Werk Doppeldeutigkeit zu vermuten. Manchmal ist Heidi Popovic einfach nur eindeutig oder wie Sigmund Freud es einmal formulierte: " Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre." 

Heidi Popovic ist eine Künstlerin, die gerne gefällt, sie fordert a priori von ihrem Publikum weder Analyse noch Ergründung seines Werks. 

Wer sich jedoch interessiert, wird Erstaunliches entdecken: Popovic berichtet aus Mozarts Zauberwelt, setzt sich mit Adornos radikaler politischer Sicht auseinander und überlegt zwischendurch, ob Hannah Arendts scheinbare Arroganz ein untrügliches Zeichen ihrer Intelligenz ist. Sie lässt Barock und Deutsche Romantik in modernem Kleid auftreten und zeigt uns, wie Don Giovanni heute lebt.


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