Die abstrakten Arbeiten der in Wien lebenden Malerin und studierten Philosophin Petra von Kazinyan sind durch eine eigene klare Bildsprache gekennzeichnet, die von der Künstlerin aus dem Automatismus zufälliger, absichtsloser Pinselbewegungen entwickelt wurde – ausgehend vom Prinzip der Störung, dem Unbekannten, das den Funken der Poesie entzündet; analog zum Farbauftrag auf die Leinwand, deren Tabula Rasa-Zustand durch jeden Pinselstrich, jedes Hinzufügen von Farbe aufgehoben wird. Entstanden sind plastisch-liquide Strukturen mit einer traumartigen DNA: überbordend, vibrierend, scheinbar permanent in Bewegung. Eine Art geräuschlose Bewegung; Grenzen und Wahrnehmungsebenen verschwimmen, sukzessive löst sich das individuelle Gedächtnis im kollektiven auf.

 

 

„Vor hundert Jahren, in der Welt Kandinskys, stand ‚modern sein’ für das Streben, ein absolutes und endgültiges Niveau an Perfektion zu erreichen. Heute bedeutet modern sein das ständige Jagen nach Verbesserung mit keinem vorstellbaren Endzustand in Sicht: Nur Veränderung ist permanent.

Petra von Kazinyan gibt uns in vielen Punkten die visuelle Antwort auf Zygmunt Bauman: Der schnelle Wandel in ihrem Werk, die Instabilität und Fragilität der Formen, welche ständig in Bewegung scheinen und Rastlosigkeit vermitteln, die Suche, die Thematisierung und die gleichzeitige Auflösung des Raumes. Aus jenen Werken spricht unsere Gegenwart."


Jacqueline Mühlbacher, Kunsthistorikerin